Mensch Moritz „Willkommen im Freak“ – Drogen, Depression, Debut-Album

Wo er diese Depression her hatte? Die gab es gratis in diversen Werbeagenturen zum Burnout dazu, wo Mensch Moritz, alias Moritz Franke sich seine Brötchen ertextete. Irgendwann beschloss er, dass es so nicht weitergehen konnte. Also Job gekündigt, zwei Monate klarkommen, den Ängsten stellen und Seele flicken in einer Psychiatrischen Tagesklinik auf St. Pauli. Währenddessen begann er den Murks aus seinem Leben zu verarbeiten, in Texten, aus denen mittlerweile ein Buch entstand (er sucht noch einen Verleger – Interessenten gerne bei ihm melden), Liedtexte und Songs. Stoff für ein Album war also da, aber noch fehlte was. Ein Produzent. Aber wie das Leben eben manchmal spielt oder wie Mensch Moritz es sagt: „manchmal, wenn man das Universum anruft, ruft es auch zurück“. Und so war es, es rief zurück, und zwar in Gestalt von Bente Faust.

Bente ist ein musikalischer Tausendsassa: er hat schon mit den Ärzten, Samy Deluxe, Bela B und Olli Schulz zusammengearbeitet. Er ist Musiker und Mitbegründer von „Der Fall Böse“, Produzent (Abwärts/ Monster of Liedermaching / Strom & Gas) und Miteigentümer des Labels Off Ya Tree. Mensch Moritz und Bente lernten sich zufällig bei einer gemeinsamen Bekannten kennen. Und so begann ihre Zusammenarbeit. Zwei, drei Songs wurden produziert, dann wurde Mensch Moritz als Künstler zum Label geholt, es gab eine Albumförderung von der Initiative Musik und nun ist das Album da, ziemlich genau 2 Jahre nach Kündigung des Jobs als Werbetexter.

Und zum Glück ist es da, denn „Willkommen im Freak“ ist ganz Freak, lässt sich musikalisch nie festlegen und überrascht beim Anhören immer wieder neu. Der Sound ist ein Spagat zwischen den Genres. Mal klingt aktueller, anspruchsvoller Pop a la Bilderbuch durch, dann hört man wieder Anleihen von Falko und Trio. Ein Grund für die musikalische Bandbreite sind die hochkarätigen Gastmusiker: Dominik Dittrich von Tante Polly am Piano, die wunderbare Sängerin Jamie Watson und Hagen Kuhr am Cello. Übrigens der Hagen, der bei Udo Lindenbergs „Cello“ zu hören ist.

Das Album wurde vom King of Mastering, Michael Schwabel, im Monoposto Studio gemastert, der auch den Alben der Toten Hosen oder Wir sind Helden den letzten Schliff gibt. In den Songs erzählt uns Mensch Moritz vom Junkie Heaven, von toxischen Beziehungen und dem Abschied davon, vom sich doof arbeiten, von vergammelten Kater-Sonntagen, davon sich in selbst zu verlaufen, von Ängsten und dass es besser ist mit ihnen einen Kaffee zu trinken, als vor ihnen zu flüchten, von der Schwierigkeit sich lieben zu lassen, wenn man sich selbst nicht liebt und von einem Rat an die Tochter.

 

MenschMoritz „Willkommen im Freak“ – Wellcome, Moritz, bei OYT!